Beim Abtauchen sollten Sie, um Luft und Kraft zu sparen, immer den kürzesten Weg nach unten nehmen und das ist der Senkrechte! Wenn man die richtige Technik beherrscht, gleitet man, ohne einen einzigen Flossenschlag, auf 3–4 m hinab. Das bedeutet aber auch, dass der Druck entsprechend zunimmt.

Es ist deshalb wichtig, dass Sie den Druck in den mit Luft gefüllten Hohlräumen ausgleichen, auch wenn er (noch) kein unangenehmes Gefühl oder gar Schmerzen verursacht. Schmerz in den Ohren oder den Nebenhöhlen zeugt bereits von einer (zu) großen Druckdifferenz. Machen Sie Ihren Druckausgleich zu Beginn des Abtauchens und dann alle 1–2 m.

Meine Empfehlung ist es, den ersten Druckausgleich bereits an der Oberfläche, unmittelbar vor dem Abtauchen, zu machen. Tauchen Sie langsam ab und wiederholen Sie das Manöver alle 1–2 m.

Wenn Sie erfahrener sind und Ihren Körper besser kennen, können Sie den Druckausgleich auch in erst größerer Tiefe machen. Wenn Sie allerdings zu lange warten, kann es sein, dass die Druckdifferenz zu groß wird und es viel Kraft benötigen würde um den Ausgleich herzustellen. Hohen Kraftaufwand sollten Sie genauso vermeiden wie Schmerzen.

Beim Aufstieg brauchen Sie nichts zu unternehmen, die sich ausdehnende Luft entweicht von alleine.

Verfahren

Es gibt drei Möglichkeiten, Druckausgleich auszuführen. Es kann sein, dass Sie nur mit einer Methode zurechtkommen.

Wenn Sie erkältet sind oder eine Pollenallergie haben, kann es sein, dass der Druckausgleich nur schwer möglich ist oder gar nicht funktioniert.

Wenn das der Fall ist, versuchen Sie es nicht mit Kraft, das kann zur Schädigung des Trommelfells führen! Eventuell benötigen Sie ein paar Tage, bis die Auswirkungen einer Allergie abklingen und Sie ab­tau­chen können.

Die Schlucken-Methode

Sie ist die schonendste und beste Art, Druckausgleich herzustellen, allerdings ist es auch das am schwierigsten zu erlernende Verfahren. Der Druck wird dabei über die Zunge bei gleichzeitigem Schlucken erzeugt. Wenn die Eustachischen Röhren zu eng sind, kann es sein, dass Sie diese Methode nicht hin bekommen. Versuchen Sie dann eine der beiden folgenden.

Die Frenzel-Methode

Sie erfordert ebenfalls etwas Übung, ist aber leichter erlernbar und immer noch eine schonende Möglichkeit, Druckausgleich herzustellen.

Stellen Sie sich vor, Sie wollen ein sehr schweres Gewicht von einem Tisch heben. Sie werden bemerken, dass Sie dabei den Kehlkopf verschließen. Sprechen Sie dabei dann ein „K”, allerdings ohne das „A”. Gleichzeitig verschließen Sie mit Daumen und Zeigefinger Ihre Nase und schließen mit der Zunge hinten den Gaumen. Der für den Ausgleich notwendige Druck wird dabei also mit der Zunge erzeugt.

Das Valsalva–Manöver

Es funktioniert über das Pressen von Luft aus der Lunge. Das ist die am wenigsten zu empfehlende Methode, da das Pressen den Blutdruck erhöht! Halten Sie dafür die Nase zu und atmen Sie kurz kräftig dagegen aus, bis Sie merken, dass der Druck in den Ohren, den Stirn- und den Nebenhöhlen ausgeglichen ist.

Egal welches der genannten Verfahren Sie anwenden, es ist wichtig, dass Sie nicht zu viel Druck aufwenden! Auch das kann zur Schädigung des Trommelfells führen. Generell kann es helfen, wenn Sie während der Ausführung den Kiefer hin und her bewegen.

Darüber hinaus müssen Sie auch immer Druckausgleich in der Maske durchführen. Geben Sie also immer einen Hub Luft mit in die Maske.

Unterdruck darin führt zu blutunterlaufenen Augen.

Umkehrblockierung

Wenn die Luft beim Aufstieg nicht entweicht, spricht man von einer Umkehrblockierung. Sie kann auftreten, wenn Sie z. B. trotz Erkältung abtauchen und mit viel Druck arbeiten, um den einen Ausgleich hinzubekommen.

Wenn die Luft auf dem Weg nach oben nicht entweicht, können Sie nur versuchen, so langsam wie möglich aufzutauchen, um ihr Zeit zu geben. Bewegen Sie dabei wie beim Abtauchen Ihren Kiefer hin und her. Egal wie, hoch müssen Sie! Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass Ihr Trommelfell reißt, es ist sehr flexibel, der Überdruck wird aber wohl eine ganze Weile schmerzen.

Das ist übrigens ein Grund, warum kleine Kinder im Flugzeug manchmal über die gesamte Flugzeit weinen, sie bekommen keinen Druckausgleich hin. Der Kabinendruck entspricht ca. 3 m Wassertiefe – das schmerzt.

Schwindel

In der Anatomie des Ohres bin ich auf die Bogengänge und deren Funktion für das Gleichgewicht eingegangen. Schnelles Drehen führt, wie Sie wissen bzw. kennen, zu einem Schwindelgefühl.

Ein leichter Schwindel kann auch durch einen plötzlichen Druckausgleich beim Auf- oder Abstieg hervorgerufen werden. Dieser Schwindel verschwindet nach kurzer Zeit (ca. 30 sec.) wieder. Tauchen Sie auf und bleiben Sie ruhig, bis alles vorüber ist. Natürlich können Sie auch eine der zuvor genannten Hilfen durchführen.

Wenn das Trommelfell durch unterlassenen Druckausgleich reißt und Wasser eindringt, ist „kalt“ relativ zu sehen. Die Körperkern-Temperatur beträgt 37°, dazu ist im Vergleich auf der Haut als angenehm empfundenes Meerwasser mit 25° schon wieder eher kühl.

Sollte Ihnen schwindelig sein, hilft es meist, wenn Sie sich irgendwo, z. B. am Partner, festhalten. Wenn Sie alleine sind, kann es helfen, wenn Sie sich selbst umarmen. Schließen Sie Augen und halten Sie einen Moment inne.

Der Schwindel verschwindet oft recht schnell wieder. Wenn nicht oder nicht klar ist, woher der Schwindel gekommen ist, verlassen Sie am besten das Wasser.

Wenn Sie eine verstopfte Nase haben, vermeiden Sie es abzutauchen! Sollte das von einer Erkältung kommen, ist es ohnehin zu überlegen, ob Sie schnorcheln gehen oder besser ruhen sollten.

 

@ SnorkelingScout Walter Herzog  | Impressum

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